An die WEF-Schweiz
St. Gallen, am 15. Januar 2026
Liebe WEF-Schweiz
Der Große Wüterich – der Mann, der mit Drohung und Erpressung regiert – ist dabei, sich Grönland einzuverleiben, und Sie legen ihm den roten Teppich aus. Er wird mit der größten Delegation, die Davos je gesehen hat, eintreffen: Flugzeuge, jede Menge Sicherheitsbeamte, Helikopter, Dutzende gepanzerte Fahrzeuge; gar das Benzin wird eingeflogen. Eine kleine Armee, die in unser Land eindringt. Dabei braucht er diese gar nicht, um die Schweiz einzunehmen. Eine Flagge genügt.
Europa wird bedroht, nicht nur von Russland. Wir verharmlosen hybride Angriffe, weil Geschäfte vorgehen. Wursteln, wie es unser Außenminister treuherzig nennt. Neutralität, die als Code für unser Business-Modell eleganter klingt. Nun geschieht das Undenkbare: Die USA greifen Europa an. Wer den Großen Wüterich nicht jetzt stoppt, lädt ihn zu weiteren Übergriffen ein.
Genau das tun wir. Öffnen den Räubern Tür und Tor in vorauseilendem Gehorsam. Die USA könnten sich ja mit Zöllen rächen. Haben Sie es noch nicht begriffen, liebes WEF-Davos, liebe offizielle Schweiz? Sie werden es ohnehin tun. Wer immer Schwäche zeigt, wird mit Stärke überrollt. Es wird nicht mit Grönland aufhören. Die Plünderungen werden weitergehen: gegen Schwächere zuerst, dann gegen Nachbarn, dann gegen uns.
Wir können diesem Wahnsinn – und dem drohenden Verlust unserer demokratischen Souveränität – nur mit Widerstand begegnen: Ehrlichkeit. Öffentlichkeit: keine Einschränkung unserer Demonstrationsrechte. Parlamentarischer Druck: keine Anbiederung an Drohpolitik als aussenpolitisches Prinzip. Keine exzessive Einfuhr militärischer Hardware. Keine rechtslosen Sicherheitszonen. Machen wir auch noch mit, sind wir nur noch ein Vasallenstaat.
Als sie Venezuela holten, habe ich geschwiegen; ich bin ja nicht Venezuela.
Als sie Grönland holten, habe ich geschwiegen; ich bin ja nicht Grönland.
Als sie die Schweiz holten, gab es niemanden mehr, der noch protestierte.
Martin Niemöller, paraphrasiert (Die Zeilen des Originals hängen im United States Holocaust Museum)
Ich erwarte keine Antwort, aber eine Haltung.
Mit freundlichen Grüßen
Christoph Keller
Schriftsteller und Fahrer eines nicht gepanzerten Rollstuhls